Einsatzgebiete persönlicher Entwicklung mit Pferden II

Ergänzend zum Artikel von Anna Stempel-Romano: „Einsatzgebiete persönlicher Entwicklung mit Pferden“ möchte ich noch folgende Bereiche erwähnen:

Beziehung

Jeder Mensch hat in Beziehungen ein bestimmtes Wohlfühl-Muster. Manche genießen Nähe und Wärme, andere können mit Distanz besser umgehen. In der Arbeit mit unterschiedlichen Pferden kann man die eigene Wohlfühlzone austesten und damit experimentieren. Distanz-Typen wird ein Pferd, das intensiv die Nähe des Menschen sucht, eher Angst machen. Vielleicht lernen sie aber auch durch sensible Annäherung ihre eigene Unsicherheit zu verringern. Nähe-Typen wird ein schüchternes oder ängstliches Pferd, das sich nicht so gerne streicheln und berühren lässt, wenig Spaß machen. Sie können lernen, wie man seinen eigenen Körpereinsatz weicher gestaltet um zu einer guten Beziehungsqualität (die beiden Parteien Spaß macht) zu kommen.

Diese Beziehungsmuster kann man auch übertragen auf businessmäßige Ebenen in Verkauf, Kundenkontakt, Teamqualität, etc.

Konfliktmanagement

Im Konfliktfall zwischen Personen kommt es m.E. auf innere Ruhe an, um eine Eskalation zu vermeiden. Durch innere Ruhe kann man auf eine Meta-Ebene steigen und besser klassifizieren, worum es im Konflikt eigentlich geht: Ist es ein persönlicher oder ein Sachkonflikt? Gibt es gemeinsame Ziele und unterschiedliche Positionen? Oder bin ich als Beteiligter nur Projektionsfläche? Wer sachlich und bestimmt bleibt, kann also Konflikte besser bearbeiten.

Diese innerer Ruhe kann man sehr gut mit hochsensiblen Pferden üben, während man diese Pferde ruhig und bestimmt eher ungeliebte Übungen (über Planen gehen, Hindernisse überwinden, Flatterbänder passieren, etc.) durchführen lässt.

Für Konfliktbegleiter (MediatorInnen), aber auch für Führungskräfte, die häufig Konflikte lösen müssen, habe ich ein eigenes Ablaufkonzept. Dabei lernen die Menschen den Unterschied zwischen mehr Druck und Klarheit in eine bestimmte Richtung und das „Sich selbst zurückhalten“ für Situationen, die Beteiligte selbst lösen können. Das funktioniert bei den Pferden sehr gut und wird durch psychologische Verankerung den Menschen näher gebracht.

Lehrausbildung

Lehr- und Ausbildungsberechtigte können in ihrer Aufgabe, junge Menschen beim Erlernen eines Berufes optimal zu unterstützen, durch ein spezielles Seminar mit Pferden besonders sensibilisiert werden. Das Prinzip einer Lehrausbildung ist fast 1:1 der Ausbildung von Pferden gleichzusetzen: Wenn wir Pferde in der Bodenarbeit ausbilden, gibt es einen vierstufigen Druckaufbau nach dem Motto „Stufe 1 Haare – Stufe 2 Haut – Stufe 3 Muskel – Stufe 4 Knochen“. Die Pferde lernen so, sich in eine gewünschte Richtung zu bewegen. Passt die Bewegung, wird sofort Druck rausgenommen und gelobt.

Dieses Prinzip kann auch auf die Ausbildung junger Menschen in ihrem Berufsfeld angewandt werden. Nachdem die Lehrberechtigten mit den Pferden das optimale Timing geübt und verinnerlicht haben, geht es in eine Reflexionsrunde. Dabei findet der Transfer dieser Prinzipien in die Lehrausbildung statt.

 

Die bisher häufigsten Rückmeldungen dazu von TeilnehmerInnen waren:

  1. Es fehlen sehr oft die Stufen 2 und 3 in der Lehrausbildung. Nach mehreren erfolglosen Aufforderungen = Stufe 1, wird sofort mit Stufe 4 = Rauswurf gedroht.
  2. Das unmittelbare Lob wird im Berufsalltag viel zu selten und ohne Timing eingesetzt!

Die Arbeit mit den Pferden verankert die Notwendigkeit dieser Punkte nachhaltig bei den AusbilderInnen.

 

Führung

Ergänzung zur Ausführung von Anna zum Thema Führung

Für mich sind zwei Bereiche in der „situativen Führung“ von eminenter Wichtigkeit: Klarheit einer Führungskraft und Kongruenz.  Also das Gegenteil von „Wasser predigen und Wein trinken“. Gemeint ist mit diesem Bild, dass Führungskräfte oft selbst anders handeln, als sie von ihren MitarbeiterInnen verlangen.

Diese persönlichen Eigenschaften zu verinnerlichen benötigt allerdings mehrmaliges Üben mit den Pferden. Ein Tagesseminar ist dafür eindeutig zu wenig.

 

Ein weiterer Bereich zum Themengebiet Führung, den man mit Pferden optimal simulieren kann, ist der unterschiedliche Druck/Einsatz, den man als Führungskraft auf MitarbeiterInnen ausüben muss. Manche Pferde sind praktisch mit einem Fingerzeig zu steuern. Andere brauchen schon deutlichere Anweisungen und mehr „Präsenz“ des Menschen. Durch die Abfolge von Übungen mit unterschiedlichen Pferden lernen die Menschen genau hinzuschauen und ihren eigenen Einsatz zu optimieren: So viel Druck wie nötig, so wenig wie möglich.

Diese Kombination von Aufmerksamkeitsschulung mit unterschiedlichem Energieeinsatz wird dann in den Berufsalltag transferiert und führt dort zu differenziertem Handlungseinsatz einer Führungskraft.

Gerhard Konir

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