Interview mit Jutta Waldvogel

Jutta Waldvogel

Mein Name ist Jutta Waldvogel, ich bin (erst – oder schon?) 18 Jahre alt und wohne in Süddeutschland, nahe dem schönen Bodensee. Schon seit dem Kindergartenalter faszinieren mich die Pferde, sodass ich seitdem stets in enger Verbindung zu ihnen stehe und einen Großteil meiner Freizeit mit ihnen verbringe. Mehr Informationen zu mir und zu meinen Aktivitäten gibt es unter www.facebook.com/juttawaldvogel.pferdegestuetztescoaching und un
ter www.facebook.com/jwvart.pferdezeichnungenundmehr.

Wie war dein ganz persönlicher Weg zu und mit den Pferden?

Ich habe mit jungen Jahren mit spielerischem Voltigieren angefangen und schließlich das Reiten „gelernt“, wobei dabei auch die Bodenarbeit für mich eine zentrale Rolle spielt. Ich hatte und habe das Glück, mit fast ausschließlich sehr fair und und pferdefreundlich arbeitenden, kompetenten Reitlehrern, Trainern und Ausbildern zusammen zu kommen, sodass ich recht schnell einen Weg des Umgangs gefunden habe, der sowohl Mensch als auch Pferd gut tut und Freude bereitet. Inzwischen besitzt meine Familie selbst vier eigene Pferde, von denen ich enorm viel lernen darf. Wie heißt es so schön? Das Pferd selbst ist und bleibt der beste Lehrmeister!
Aus dem Bedürfnis heraus, eine immer tiefere, vertrauensvollere und freundschaftlichere Beziehung zu meinen Tieren aufzubauen, und dabei nicht nur mein Pferd verändern zu wollen, sondern gleichzeitig auch mich, bin ich zur Persönlichkeitsentwicklung mit Pferden und schließlich zum Pferdegestützten Coaching gekommen. Hier habe ich die Ausbildung bei Franziska Müller absolviert, was mir enorm weitergeholfen hat und eine großartige Zukunftsperspektive für mich darstellt.
Zudem habe ich mich das gesamte letzte Jahr intensivst mit der Persönlichkeitsentwicklung mit Pferden – und auch anderen Tieren – auseinander gesetzt, und so viele verschiedene Wege gefunden, zusammen mit ihnen zu lernen und zu wachsen.
Auch die Spiritualität und Meditation sind wichtige Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung für mich und ich habe festgestellt, dass diese sich wundervoll mit den Pferden vereinbaren lassen, das eine schließt das andere nicht aus. Und so bin ich immer noch auf der Suche nach neuen Wegen und Möglichkeiten, noch tiefer zu gehen – man lernt ja nie aus… 🙂
Ein anderer Antrieb, mich im Pferdegestützten Coaching ausbilden zu lassen, war der, dass ich – wie wohl die meisten pferdeverrückten Mädchen – schon seit früher Kindheit den Traum hatte, auch später im Beruf mit Pferden arbeiten zu können. Reitlehrerin zu werden, kam schon recht früh für mich nicht mehr als erste Wahl in Frage, da es mein Anliegen ist, dass die Arbeit sowohl für den Menschen, als auch für das Tier angenehm ist und vielleicht sogar Spaß bereitet, was in den meisten Reitschulen eindeutig nicht der Fall und auch nur sehr schwer zu erreichen ist.
Das Pferdegestützte Coaching bietet hier die perfekte Alternative, da man ebenfalls auch mit Menschen zu tun hat und ihre Entwicklung begleiten darf, gleichzeitig aber das Pferd nichts, absolut gar nichts tun muss, was es nicht möchte. Es darf schlicht Pferd sein und erfährt sogar, dass der Mensch auf einmal tatsächlich auch auf das eingeht, was es ihm mitzuteilen versucht. Bisher habe ich kein Pferd erlebt, was nicht gerne beim Coaching „mitgeholfen“ hätte.
Und noch ein weiterer Vorteil ist, dass man für diese Arbeit auch alte oder sogar kränkliche – natürlich nicht schwerkranke – Tiere einsetzen kann, da es keine in dem Sinne anstrengende Arbeit ist. Sie müssen weder kilometerweit rennen, noch einen schweren oder ungeübten Reiter tragen, was gerade bei der Reittherapie ein unangenehmer Aspekt für mich ist. All das gibt es aber beim Pferdegestützten Coaching nicht, sodass ich es mit völlig reinem Gewissen verantworten kann, meine Pferde dafür einzusetzen.

Welche Erlebnisse hattest du, die dich darin bestärkt haben, dass pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung der richtige Weg für dich ist?

Eine schwierige Frage… Es gab viele, auch sehr verschiedene Erlebnisse, die mich mehr und mehr bestärkt haben, den „richtigen“ Weg eingeschlagen zu haben. Zum einen habe ich einfach gemerkt, dass Beziehung nur funktioniert, wenn beide Partner an sich arbeiten, zum anderen war und bin ich immer interessiert an neuen Aspekten und Methoden, gerade im Bereich der Pferde.
Ein direktes Schlüsselerlebnis gab es in dem Sinne nicht, aber sobald ich auf die pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung gestoßen und etwas tiefer in die Thematik eingestiegen bin, war plötzlich alles so schlüssig und stimmig für mich, dass ich den Weg weiter gegangen bin um mehr herauszufinden. Nach und nach konnte ich dann viele eindrückliche Erfahrungen sammeln, die mich bestärkt haben, noch tiefer zu gehen.
Was schon wahnsinnig spannend war für mich ist, dass man ja als langjähriger „Pferdemensch“ schnell meint, man wüsste, wie die Tiere ticken und so weiter. Dann aber machst du lernst du die Pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung kennen und wirst so dermaßen überrascht, dass du beinahe anfängst, alles anzuzweifeln, was du jemals über die Pferde gelernt hast.
Früher dachte ich zum Beispiel, dass die Tiere eben unsere Körpersprache spiegeln, und dann bei den Gefühle und Gedanken, da war ich mir schon nicht mehr so sicher, weil ich ja keine konkreten Beweise hatte, da ich darauf auch nie so stark geachtet hatte. Gerade während der Ausbildung zum Pferdegestützten Coach musste ich aber erkennen, dass die Pferde eindeutig alle diese drei Aspekte verstehen und darauf reagieren, wobei sie sogar scheinbar in das Unterbewusstsein des Menschen vordringen können!
Es kam vor, dass das Pferd im Coaching eine Situation in eine Richtung beeinflusst hat, die wir anfangs überhaupt nicht verstanden haben, welche sich aber letztendlich als die einzig richtige herausgestellt hat. Hätten wir da nicht auf das Pferd „gehört“, wären wir vielleicht ganz schön stecken geblieben, weil wir selbst überhaupt nicht den Überblick hatten, das Pferd aber sehr wohl. Das zu realisieren war schon ein Wahnsinnsgefühl und sehr beeindruckend und bereichernd!

Welche Schritte bist du gegangen, um dich gut für die Tätigkeit als pferdegestützter Coach, Therapeut etc. aufzustellen?

Ich habe – wie schon gesagt – die Ausbildung zum Pferdegestützten Coach bei Franziska Müller absolviert, habe viel gelesen und auch versucht, mich durch Videos weiterzubilden und zu inspirieren. Direkt nach meiner Ausbildung habe ich mit einer Freundin und Bekannten gemeinsam ein Pferdegestütztes Tagesseminar veranstaltet. Sie hatte auch vor Jahren eine Ausbildung zum Pferdegestützten Coach gemacht, allerdings bei anderen Ausbildern, sodass wir uns gut ergänzen und voneinander lernen konnten.
Danach hatte ich leider einige Monate keine Zeit, mich praktisch weiter damit zu beschäftigen, dafür theoretisch umso mehr. Nun bin ich gerade dabei, mir langsam über Facebook und Mundpropaganda etwas aufzubauen. Um noch sicherer zu werden vergebe ich auch im Zeitraum bis Anfang Mai drei kostenlose Übungscoachings – das Gewinnspiel dazu (bis zum 8.3.17) ist auf meiner Facebookseite zu finden! – und dann sehe ich weiter. Da ich ja noch Schülerin bin, muss ich meine Coachings auf die Wochenenden und Ferien verlegen, und da hoffe ich in naher Zukunft auch einige Seminare, eventuell auch zu verschiedenen Themen, stattfinden zu lassen. Und dann sehe ich weiter… 🙂

Was bedeutet „pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung“ für dich?

Es ist für mich ein extrem effektiver, begeisternder und tiefgreifender Weg der Persönlichkeitsentwicklung. Durch den Realitätsbezug, die wertvolle, heilende Nähe zum Tier und das tatsächliche Tun und Umsetzen ist gerade das Pferdegestützte Coaching etwas Einzigartiges!

Foto: Jutta Waldvogel

Pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung bedeutet für mich Leben, Liebe, Freiheit, Freude und Sinn.
Denn welchen anderen Sinn hat das Leben als den, dass wir unsere Persönlichkeit entwickeln und entfalten und so zu zufriedeneren, glücklicheren Menschen werden, was die Grundlage für eine friedlichere und „bessere“ Welt ist?

Was ist dein innerer Antrieb, Menschen mit der Unterstützung von Pferden bei ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten?

Oftmals – wenn man sich mal aus Versehen wieder etwas zu intensiv umgesehen hat – möchte man am liebsten alles und jeden auf einmal retten, die Welt umkrempeln und alles besser machen. Nur leider haben wir wohl alle schon bemerkt, dass das so einfach nicht funktioniert. Wir müssen im Kleinen anfangen, und zuallererst einmal in uns selbst. Haben wir dort etwas gefunden, was wir gerne tun und was uns in Harmonie und Einklang mit unserer Umgebung sein lässt, dann können wir den Menschen – und auch Tieren – um uns herum helfen, ebenfalls ihr inneres Potential und ihre inneres Streben zu entdecken und zu entfalten. Nur dadurch wird die Welt, zwar langsam, dafür aber stetig, besser.
Ich selbst habe im Pferdegestützten Coaching bereits einen Weg gefunden, der mir große Freude bereitet, deshalb möchte ich jetzt anderen Menschen helfen, ebenfalls das zu tun was sie lieben und im Endeffekt das Leben zu führen, nach dem ihre Seele sich schon lange sehnt. Was gibt es denn Schöneres, als andere in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen und ein Teil ihres „Aufstiegs“ und letztendlich Glücks zu sein? Und wenn sich das mit den Pferde verbinden lässt, dann ist doch alles perfekt! 😉

Was fasziniert dich an deiner Arbeit? Hast du dafür ein besonders eindrückliches Beispiel?

Es ist einfach wahnsinnig spannend, jedes Mal noch mehr dazuzulernen und Neues zu entdecken. Die Arbeit ist niemals langweilig! Jedes Mal verstehe ich mehr und jedes Mal wundere ich mich gleichzeitig, was alles möglich ist. Man kommt auf so tiefe – oder eher hohe? – Ebenen, das ist schon unglaublich.
Besonders eindrücklich ist mir auch eine Situation aus der Ausbildung in Erinnerung geblieben. Dort arbeiteten wir mit zwei Pferden gleichzeitig. Das eine Pony hatte die Klientin am Strick, das andere konnte sich frei in der Halle bewegen. Wir waren gerade dabei, ein Ziel zu erarbeiten, welches wir mit Hilfe eines Bodenankers im Raum definiert hatten. Plötzlich aber stellte sich das freie Pferd mitten vor das Ziel, sodass die Klientin es nicht mehr sehen konnte und es im wahrsten Sinne des Wortes aus den Augen verloren hatte.
Als genau dieses Phänomen näher beleuchtet wurde, stellte sich heraus, dass eine nahestehende Person das Vorhaben noch behinderte und die Klientin in ihren Möglichkeiten einschränkte. Als dieses Problem gelöst war, drehte sich auch promt das Pferdchen und gab den Blick auf das Ziel wieder frei. Das war so beeindruckend und berührend gleichzeitig, dass wir es fast nicht glauben konnten. Und das ist, was diese Arbeit so unvergleichlich und eben faszinierend macht. Ich weiß nie, was auf mich zukommt, aber ich weiß, dass es etwas Gutes, Lehrreiches und Inspirierendes sein wird.

Was sind deine Pläne für die Zukunft – Wovon träumst du im Bezug auf pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung?

Ich träume einerseits natürlich davon, selbst erfolgreich mit meinem Angebot zu sein und viele Menschen damit anzusprechen und zu unterstützen. Andererseits, weiter gefasst gesprochen, wünsche ich mir, dass dieses Bewusstsein, dass die Pferde mehr als nur einfach instinktgesteuerte Tiere sind, und dass sie uns eben in unserer Persönlichkeit ungemein bestärken und beeinflussen können, dass dieses Bewusstsein in noch mehr Köpfe vordringt. Gerade in der Turnierreiterszene, aber natürlich auch unter den Freizeitreitern und im Prinzip jedem, wäre das unheimlich wichtig.
Und zwar nicht nur zum Wohle der Menschen, die natürlich enorm von diesen Eigenschaften der Pferde profitieren könnten, sondern gleichzeitig auch zum Wohle der Tiere. Ich merke an mir selbst, dass ich jetzt viel selbstkritischer bin und auch meinen Pferden ein deutlich größeres Mitspracherecht einräume, sodass es mehr zu einem Dialog zwischen Freunden, als zu einem Monolog zwischen Lehrer und Schüler wird. Ich denke, dann haben auch die Pferde mehr Freude daran, mit uns Menschen zusammen zu sein und auch mal Dinge für uns zu tun, die sie für sich eigentlich nicht tun würden.
Jeder, ob Reiter oder nicht, kann so viel von den Pferden mitnehmen und das in sein Leben und seinen Umgang mit seinen Mitmenschen und all den anderen Lebewesen übertragen. Dieses Potential muss unbedingt erkannt werden und ich wünsche mir so sehr, dass das bald geschehen wird! So ist es nicht nur mein Ziel, den Menschen in einer konkreten Situation zur Seite zu stehen, sondern sie auch auf lange Sicht zu inspirieren und zu berühren, sodass dieses Bewusstsein aus ihnen selbst erwächst.

Vielen Dank für dieses Interview!


Weitere Wege zur pferdegestützten Persönlichkeitsentwicklung:

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Anna Stempel-Romano

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