Interview mit Tina Jahns

Foto: Tina Jahns

Mein Name ist Tina Jahns, Jahrgang 1984 und ich lebe im wunderschönen Mittelfranken in einem ehemaligen Bauernhaus. Direkt am Haus stehen meine drei Pferde, die ganzjährig auf knapp 3 ha Land eine artgerechte Haltung erfahren. Ich selbst habe eine angeborene Muskelschwäche, die meine Tätigkeit als Pferdegestützter Coach maßgeblich bereichert. So habe ich meinen beruflichen Fokus auf die authentische Entwicklung der inneren Stärke gesetzt. Nähere Informationen gibt es auf meiner Website: www.tina-jahns.com

Wie war dein ganz persönlicher Weg zu und mit den Pferden?

Solange ich denken kann, spielen Pferde in meinem Leben eine tragende Rolle. Es gab nie einen konkreten Auslöser, vielmehr war mir diese Verbindung in die Wiege gelegt. Allein die Anwesenheit eines zufrieden grasenden Pferdes erfüllt mein Herz bis heute mit Glückseligkeit. Als Mädchen hatte ich das große Glück, dass unsere Nachbarn Ponys besaßen und somit verbrachte ich mehr Zeit dort als Zuhause. Ich bin quasi Tür an Tür mit Pferden aufgewachsen. So zog sich der Pferde-Virus wie ein roter Faden durch meine Kindheit, überlebte meine Pubertät und verblasste auch nicht während meiner Studenten Zeit. Im Alter von 27 Jahren wurde schließlich mit dem Kauf meiner Tinkerstute Lavina der damaligen Mädchentraum endlich wahr.

 

Welche Erlebnisse hattest du, die dich darin bestärkt haben, dass pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung der richtige Weg für dich ist?

Ursprünglich wollte ich aus eigenem Wissensdurst meinen Doktor über die positive Wirkung von Pferden auf körperlich behinderte Kinder machen – allerdings fern der Reittherapie. Mir war eigentlich schon sehr lange bewusst, wie positiv Pferde sich auf die Persönlichkeit von Menschen auswirkt und ich wollte unbedingt die tieferen Zusammenhänge ergründen. Ich durchlief die ersten Bewerbungsphasen um die Aufnahme als Doktorandin erfolgreich, konnte jedoch bei meinen zugeteilten Professoren den Schwerpunkt auf körperbehinderte Kinder nicht durchsetzen und hätte stattdessen als Zielgruppe Kinder mit ADHS nehmen sollen. Aus diesem Grund habe ich schweren Herzens die Weiterverfolgung unter diesem Aspekt nicht weiter verfolgt. Ein spezielles Erlebnis könnte ich nicht benennen, das ich als den Auslöser für meinen Weg als Pferdegestüzter Coach bezeichnen würde. Vielmehr ist die Entscheidung für diesen Weg eine Entwicklung gewesen, die das Resultat meiner lebenslangen Erfahrungen und den damit verbundenen Beobachtungen ist.

 

Welche Schritte bist du gegangen, um dich gut für die Tätigkeit als pferdegestützter Coach, Therapeut etc. aufzustellen?

Den Grundstein für meine Arbeit mit Menschen habe ich durch das Studium zur Sozialpädagogin gelegt. Parallel hierzu bildete ich mich in Berlin zum Peer Counselor weiter um meine beraterischen Fähigkeiten zu verfeinern. Danach habe ich drei Jahre in der Beratung gearbeitet und nebenberuflich mit dem Fernstudium zur Tiergestützten Sozialarbeit begonnen. Zwischenzeitlich wechselte ich aufgrund eines Wohnortwechsels den Job und war fortan als Qualitätsmanagerin in einem ambulanten Pflegedienst tätig. Auch hierfür absolvierte ich die entsprechende Weiterbildung. Die Arbeit dort hat mir zwar Spaß gemacht, mir fehlte jedoch der direkte Kontakt zum Menschen. Zeitgleich stieß ich im Internet auf Franziska Müller und ihre Ausbildung zum Pferdegestützten Coach. Anfangs war ich mir nicht sicher ob ich diese Tätigkeit mit meinem Handicap auch ausüben kann, doch der intensive Austausch mit Franziska ermutigte mich letztes Jahr diesen Schritt zu wagen. Was soll ich sagen außer: die BESTE Entscheidung in meinem Berufsleben! Heute bleibe ich durch viel Lesen von Fachliteratur am Ball.

Was bedeutet „pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung“ für dich?

Pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung bedeutet für mich die Kombination aus
Berufung, Hobby und Leidenschaft. Ich sehe diese Tätigkeit nicht als Arbeit sondern als
Erfüllung an. Pferde sind so hochsensible Wesen und ich bin immer wieder aufs Neue von
Demut ergriffen, wie spezifisch sie auf die verschiedenen Menschen reagieren. Sie bringen
allein durch ihre Anwesenheit verborgene Prozesse in Gang, lösen Emotionen und schaffen
aber gleichzeitig eine Atmosphäre, die dem Menschen Raum gibt sich zu öffnen. Ich arbeite
sehr gerne auch nur visuell und lass die Wirkung der Pferde erspüren. Von außen
betrachtet keine Aktivität im typischen Sinne, dennoch ist es für meine Klienten
erstaunlich, wie sich über die Gefühlsebene neue Mechanismen und Denkweisen aufzeigen.

Foto: Tina Jahns

Was ist dein innerer Antrieb, Menschen mit der Unterstützung von Pferden bei ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten?

Es liegt mir in meiner Arbeit mit den Pferden besonders am Herzen Menschen aus der Passivität ihres Lebens zurück in die aktive, selbstbestimmte Handlung zu holen. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt seine Herausforderungen des Lebens selbst in die Hände zu nehmen und letztlich zu lösen – nur verhindern Blockaden und negative Glaubenssätze die persönliche Veränderung. Gerade im Coaching mit Pferden finden Menschen den natürlichen Kontakt zu sich selbst, spüren ihre Bedürfnisse und sind wieder im Stande danach zu handeln. Es geht mir nicht um vorgeschriebene Lösungen, vielmehr begleite ich meine Kunden beim Ergründen ihrer eigenen Wege. Mein Ziel ist es, dass sich die Menschen trauen IHREN Weg zu gehen und somit in ihre ganz natürliche Kraft kommen.

Was fasziniert dich an deiner Arbeit? Hast du dafür ein besonders eindrückliches Beispiel?

Prinzipiell fasziniert mich, wie unterschiedlich meine Pferde auf die jeweiligen Menschen reagieren. Es ist immer wieder aufs Neue bewegend, wenn die Pferde die wirklichen Themen aufdecken, die verborgenen, die schmerzhaften. Ich hatte vor kurzem erst ein Coaching mit einer jungen Frau, die während ihres Settings auf ihrem Weg zum Ziel zwei Hürden aufgebaut hat. Diese Hürden standen für je eine Person in ihrem Leben, die sie ihrer Meinung nach daran hinderten an ihr gewünschtes Ziel zu kommen. Während dieser Einheit liefen meine drei Pferde frei auf dem Platz herum.

Normalerweise haben sie kein sonderliches Interesse an den Utensilien, die ich zum coachen verwende (mittlerweile kennen sie diese ja auch gut) . Dieses Mal war es aber vollkommen anders: sie zerlegten systematisch die erste Hürde und dann die zweite. Durch das recht deutliche Verhalten meiner Pferde und die gezielten Fragen meinerseits erkannte meine Klientin ganz schnell, welches Hindernis sie tatsächlich bewältigen muss: ihre Aufgabe war es sich ihrer Grenzen bewusst zu machen und diese auch zu schützen. Im Anschluss dieser Erkenntnis baute sie ihre Grenze auf und lernte diese näher kennen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft – Wovon träumst du im Bezug auf pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung?

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass mehr Menschen von den unglaublich tollen Möglichkeiten eines Pferdegestützten Coachings erfahren und letztlich damit auch wissen, was diese einzigartige Arbeit ausmacht. Ich persönlich werde weiterhin meinen Teil dazu beitragen und die Botschaft der Pferde in die Welt hinaustragen.

 

Anna Stempel-Romano

About Anna Stempel-Romano

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.